HÖRlokal - Unterhaltung aus dem Nassauer Land

HÖRlokal - Unterhaltung aus dem Nassauer Land

Transkript

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00:00:02: Hier ist ihr buntes Hörlokal, da hören sie ganz und gar lokal.

00:00:10: Ihr Platz im schönen Hörhör-Hörlokaal.

00:00:17: Herzlich willkommen zum Podcast Hörlokal Unterhaltung aus dem Nassauerland!

00:00:23: Wenn in lauen Augustnächten der Himmel über den Nassauer Land funkelt lohnt sich ein Blick nach oben Denn manchmal huscht ein heller Lichtstreifen über den Himmel und für einen kurzen Moment scheint alles möglich.

00:00:35: Doch was sind Sternschnuppen eigentlich?

00:00:38: Warum gibt es gerade im August so viele davon, und was haben sie mit unseren geheimsten Wünschen zu tun?

00:00:44: Wir nehmen Sie mit auf eine faszinierende Reise durch den Nachthimmel unserer Heimat!

00:00:49: Viel Spaß!

00:01:07: Ja, manchmal braucht es nur einen einzigen Augenblick um uns zum Staunen zu bringen.

00:01:13: Einen dunklen Sommerhimmel ein paar funkelnde Sterne und plötzlich einen hellen Lichtstreifen der über uns hinweg zieht.

00:01:22: Sternschnuppen so viel ist klar, faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden.

00:01:26: Aber was steckt wirklich dahinter?

00:01:28: Warum sind ausgerechnet gerade jetzt unsere August-Nächte so besonders und wo kann man bei uns im Nassauer Land dieses Himmelschauspiel am besten erleben?

00:01:39: Heute nehmen wir Sie mit auf eine kleine Reise zwischen Himmel und Erde!

00:01:43: Viel Freude beim Zuhören!

00:01:46: Stellen sie sich einmal Folgendes vor – es ist ein warmer Augustabend in Nassauern Eigentlich wie gerade und die letzten Wochen.

00:01:54: Vielleicht sitzen sie auf ihrer Terrasse in Nassau, auf einer Bank irgendwo oberhalb des Lernteils oder draußen auf einer Wiese zwischen Singhofen und Nastetten?

00:02:04: Die Luft ist angenehm warm, die Geräusche des Tages sind so langsam verstummt – über den Hügeln wird es dunkel!

00:02:13: Und während sie in den Himmel schauen, passiert plötzlich etwas.

00:02:16: Vielleicht sehen Sie es nur im Augenwinkel oder direkt Frontal vor sich.

00:02:20: Ein heller Lichtstreifen zieht über das Firmament nur einen winzigen Augenblick lang und schon ist er wieder verschwunden – eine Sternschnuppe!

00:02:30: Haben Sie sich etwas gewünscht?

00:02:32: Falls ja, dann sind sie damit in bester Gesellschaft.

00:02:35: Denn der Glaube, dass Sternschnuppen Wünsche erfüllen können gehört zu den schönsten und ältesten Vorstellungen die wir mit dem Nachthimmel verbinden.

00:02:45: Dabei ist das was wir da oben sehen eigentlich etwas ganz anderes als der Name vermuten lässt – denn Sterne fallen natürlich nicht einfach so vom Himmel!

00:02:57: Was isst eine Sternschluppe

00:02:58: eigentlich?!

00:02:59: Um zu verstehen, was wir da beobachten müssen wir gedanklich ziemlich weit hinaus ins Weltall reisen.

00:03:06: Dort bewegen sich neben Planeten und Sternen auch unzählige kleine Gesteins- und Staubteilchen.

00:03:12: Manche sind wirklich so groß wie ein Stein andere haben nur die Größe eines Suncoins und manche sind noch deutlich größer Und einige davon geraten eben auf ihrer Reise durch unser Sonnensystem irgendwann in die Nähe der Erde.

00:03:27: Wenn sie in unsere Atmosphäre eintreten, geschieht etwas Erstaunliches.

00:03:32: Die Teilchen rasen mit ungeheurer Geschwindigkeit durch die Luft.

00:03:36: Dabei werden Sie und die Luft um Sie herum extrem stark erhitzt – und Atome und Moleküle werden zum Leuchten angeregt!

00:03:45: Was wir von der Erde aus sehen ist ein kurzer heller Lichtstreifen wenn sie quasi in unsere atmosphären Eintreten und genau das nennen wir Sternschnuppe.

00:03:56: Wissenschaftlich heißt diese Leuchterscheinung übrigens Meteor.

00:04:01: Hier gibt es einen interessanten Unterschied, das kleine Teilchen im Weltraum nennt man Meteorit.

00:04:07: die Leuchterscheinung in der Atmosphäre ist der Meteor und wenn tatsächlich ein Rest des Körpers den Erdboden erreicht spricht man wieder von einem Meteoriten mit T nicht mit Diamende.

00:04:21: Die meisten Sternschnuppen entstehen ungefähr achtzig bis einhundertzwanzig Kilometer über unseren Köpfen, also doch in erstaunlich großer Höhe.

00:04:31: Im Vergleich zur Entfernung der Sterne ist es allerdings geradezu vor unserer Haustür.

00:04:37: Und das Verrückte ist, viele dieser hellen Lichtstreifen werden von Teilchen verursacht die tatsächlich kaum größer sind als ein Sandkörnchen.

00:04:47: Ein winziges Stückchen kosmischer Staub kann also einen Leuchten erzeugen dass wir noch aus vielen Kilometern Entfernung sehen.

00:04:56: Aber warum eigentlich gerade immer besonders im August?

00:05:01: Rund um den zwölften, dreizehnten August ist es meistens der Fall und das hat einen ganz bestimmten Grund.

00:05:06: Denn jedes Jahr begegnet die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne einer großen Ansammlung von Staub- und kleinen Gesteinsresten.

00:05:16: Ja diese Teilchen stammen von einem Kometen mit dem etwas ungewöhnlichen Namen Swift Tuttle.

00:05:23: Kometen sind Himmelskörper aus Eis, Staub und Gestein.

00:05:27: Wenn sie sich der Sonne nähern – erwärmen Sie sich!

00:05:30: Eis geht direkt in Gas über und dabei werden Staubteilchen freigesetzt.

00:05:34: So entsteht hinter dem Kometern eine ausgedehnte Spur aus Material.

00:05:39: Und jetzt kommt das Entscheidende die Erde durchquert jedes Jahr einen Teil dieser Staubspur.

00:05:45: Die winzigen Teilchen treffen auf unsere Atmosphäre und erzeugen dort die vielen Sternschnuppe.

00:05:51: Und dieses jährliche Schauspiel nennt man dann die Perseiden.

00:05:56: Der Name kommt vom Sternbild Persäus, denn wenn wir die Bahnen der Sternschnuppen gedanklich rückwärts verlängern, scheinen sie alle aus der Richtung dieses Sternbildes zu kommen.

00:06:07: Tatsächlich können die Lichtstreifen aber überall am Himmel erscheinen!

00:06:11: Die Perseiden gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Sternschnuppenströmen überhaupt.

00:06:17: Und ihr Höhepunkt liegt, wie gesagt gewöhnlich um den zwölften oder dreizehnten August.

00:06:22: Weil die Nächte dann oft noch angenehm warm sind lässt sich dieses Schauspiel besonders schön draußen beobachten!

00:06:29: Man muss sich also nicht mitten im Winter – was auch schön sein kann – in eine Decke einwickeln sondern kann sich mit etwas Glück ganz gemütlich auf einer Wiese niederlassen.

00:06:40: Bleiben wir gerne noch einen Moment bei diesem Kometen Swift-Tuttle, denn auch seine Geschichte ist erstaunlich.

00:06:46: Er wurde im Jahre eighteenhundertsechzeig erstmals von zwei Astronauten entdeckt – Sie können sich vielleicht denken wie sie hießen Luis Swift und Horace Tuttle.

00:06:56: Nach ihnen wurde er dementsprechend benannt.

00:06:59: Der Komet braucht ungefähr onehundertdreiunddreißig Jahre, um die Sonne einmal zu umrunden.

00:07:06: Zum letzten Mal kam er nineteenhundertzweiherneunzig in der Nähe der Sonne.

00:07:10: Seine nächste Rückkehr wird erst im Jahr zweitausendeinhundertsechsundzwanzig erwartet.

00:07:16: Das bedeutet viele von uns werden diesen Kometen selbst wohl niemals am Himmel beobachten können aber seine Staubspur begegnet uns jedes Jahr aufs Neue.

00:07:26: Ist das nicht ein faszinierender Gedanke?

00:07:28: Ein Himmelskörper, der sich nur alle hundertdreißig Jahre zeigt, sorgt Jahr für Jahr für eines der schönsten Naturschauspiele unseres Sommers.

00:07:38: Und noch etwas ist bemerkenswert – Der Kern des Kometen hat einen Durchmesser von ungefähr sechsundzwanzig Kilometern!

00:07:44: Das ist ein gewaltiger Brocken aus Eis, Staub und Gestein.

00:07:50: Doch für unsere Sternschnuppe reichen winzige Teilchen die er auf seiner Reise zurückgelassen hat….

00:07:57: Wie schnell ist eigentlich so eine Sternschnuppe?

00:08:01: Jetzt kommt eine Zahl, die man sich wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen muss.

00:08:05: Die Teilchen der Perseidentreffen mit ungefähr neunundfünfzig Kilometern pro Sekunde – auf die Erdatmosphäre nicht pro Stunde!

00:08:14: Pro Sekunde das sind mehr als zweihundertzehntausend Kilometer pro Stunde.

00:08:20: Aber es macht deutlich, welche unglaublichen Geschwindigkeiten im Weltraum herrschen und genau deshalb reicht eben schon ein kleines Staubkorn um einen hellen Lichtstreifen hervorzurufen.

00:08:32: Manchmal sind die Teilchen auch etwas größer.

00:08:34: dann können besonders helle Meteore entstehen.

00:08:37: diese werden dann Feuerkugeln oder Boliden genannt.

00:08:40: sie können so erleuchten dass sie sogar Schatten werfen.

00:08:44: Manchmal bleiben nach ihrem Verschwinden noch für einige Sekunden leuchtende Spuren am Himmel zurück.

00:08:50: Und wer so etwas schon einmal erlebt hat, vergisst es vermutlich nicht so schnell!

00:08:56: Aber warum wünschen wir uns bei Sternschnuppen eigentlich etwas?

00:09:00: Wir haben viel über Wissenschaft gesprochen aber Sternsknuppen sind eben nicht nur ein astronomisches Phänomen.

00:09:06: sie haben die Fantasie der Menschen seit Jahrhunderten beflügelt.

00:09:10: Früher konnten sich die Menschen nicht erklären, warum plötzlich ein Lichtstreifen über den Himmel zog und so entstanden die unterschiedlichsten Vorstellungen.

00:09:18: Manche seien darin Botschaften der Götter andere glaubten das ich für einen kurzen Augenblick.

00:09:24: der Himmel öffnete.

00:09:26: eine verbreitete volkstümliche Vorstellung besagt dass man in genau diesem Moment einen Wunsch aussprechen könne der dann besonders gute Chancen habe in Erfüllung zu gehen.

00:09:37: Warum man den Wunsch niemandem verraten soll, ist natürlich keine wissenschaftliche Frage.

00:09:41: Aber vielleicht gehört gerade dieses kleine Geheimnis zum Zauber einfach dazu.

00:09:47: Übrigens wurden die Perseiden früher auch als Lorenzius Tränen bezeichnet – der Name hängt mit dem Heiligen Lorenzius zusammen dessen Gedenktag am zehnten August gefeiert wird.

00:09:59: Da der Sternschnuppenstrom ungefähr zur gleichen Zeit besonders aktiv ist, wurden die Lichtstreifen in der christlichen Überlieferung mit den Tränen des Heiligen in Verbindung gebracht.

00:10:09: Eine schöne Verbindung zwischen Himmelsbeobachtungen Geschichte und alten Erzählungen.

00:10:16: Ja, kommen wir zurück zu uns zum Sternenhimmel über dem Nassauer Land.

00:10:20: Denn man muss gar nicht in die Wüste reisen oder auf ein hohen Berg steigen um Sternschnuppen wirklich gut beobachten zu können.

00:10:27: auch bei uns im Nassauerland gibt es wunderbare Möglichkeiten Denn unsere Region hat einen Vorteil, den man in größeren Städten oft vermisst.

00:10:35: Zwischen den Ortschaften liegen ausgedehnte Wälder, Felder und Höhenzüge – und wer sich ein Stück von Straßenlatern beleuchteten Häusern und größeren Siedlungen entfernt kann unter geeigneten Bedingungen einen erstaunlich schönen dunklen Sternenhimmel erleben!

00:10:50: Denken Sie beispielsweise an die offenen Landschaften auf den Höhen zwischen Nassau und Singhufen, an die Umgebung von Hönberg.

00:10:57: Und an die ländlichen Gebiete Richtung Nastetten- und Katzenellenbogen – dort lohnt es sich nach einem frei zugänglichen, sicheren und möglichst dunklen Platz mit weitem Blick zum Himmel Ausschau zu halten!

00:11:12: Ja und wie beobachtet man die Perseiden am besten?

00:11:15: Der erste Tipp lautet, lassen Sie das Fernglas und das Teleskop zu Hause.

00:11:19: Das klingt zunächst vielleicht überraschend aber Sternschnuppen lassen sich wirklich am besten mit bloßem Auge beobachten – sie können überall am Himmel auftauchen und mit einem Teleskop würde man immer nur einen winzigen Ausschnitt sehen.

00:11:32: Am schönsten ist es, sich einfach auf eine Liege oder eine Decke zu legen und einfach nach oben zu schauen!

00:11:39: Der zweite Tipp geben Sie Ihren Augen Zeit, denn es dauert ungefähr zwanzig bis dreißig Minuten, bis sie sich weitgehend an die Dunkelheit gewöhnt haben.

00:11:47: Und wer zwischendurch ständig auf sein helles Handy schaut muss damit rechnen dass diese Anpassung wieder gestört wird.

00:11:53: deshalb Handy weg Taschenlampe möglichst aus und einfach mal die Dunkeln genießen!

00:11:59: Drittens Haben sie Geduld, denn auch während eines Stern-Schnuppenstroms erscheinen die Meteore nicht im Sekundentakt.

00:12:06: Manchmal passiert mehrere Minuten lang überhaupt nichts und dann ziehen plötzlich zwei oder drei Lichtstreifen kurz hintereinander über den Himmel.

00:12:17: Unter besonders günstigen Bedingungen können während des Perseidenmaximums viele Dutzend Meteore pro Stunde auftreten.

00:12:25: Wie viele man tatsächlich sieht, hängt aber stark von der Dunkelheit – dem Wetter, den Mondlicht und natürlich dem Beobachtungszeitpunkt ab.

00:12:32: Denn besonders gute Chancen hat man häufig in der zweiten Nachthälfte bis zur Morgendämmerung.

00:12:38: Aber auch am späten Abend lohnt sich immer der Blick nach oben!

00:12:43: Und noch ein wichtiger Punkt, die Perseiden sind nicht nur in einer einzigen Nacht sichtbar.

00:12:48: Der Stern-Schnuppenstrom ist über mehrere Wochen im Sommer aktiv – wer den Höhepunkt verpasst hat also auch jetzt noch durchaus Chancen einzelne Sternschnuppe zu entdecken!

00:13:00: Ja wenn wir heute in den Himmel schauen tun wir im Grunde etwas das Menschen schon vor tausenden von Jahren getan haben.

00:13:05: Auch die Menschen, die früher hier an der Lahn lebten, haben dieselben Sterne gesehen.

00:13:10: Stellen wir uns einmal vor, wie jemand vor zweihundert oder dreihundert Jahren an einem Augustabend vor einem Haus in Nassau stand.

00:13:17: Damals gab es keine elektrischen Straßenlaternen, keine hell erleuchteten Schaufenster und keine beleuchteten Autobahnen.

00:13:25: der Nachthimmel muss an vielen Orten unglaublich dunkel gewesen sein.

00:13:30: Die Milchstraße dürfte bei klarem Wetter besonders eindrucksvoll zu sehen gewesen sein.

00:13:35: Vielleicht stand dort eine Familie vor ihrem Haus und beobachtete eben Sternschnuppen so, wie wir das heute tun.

00:13:41: Und vielleicht haben sich die Menschen damals auch ganz ähnliche Dinge gewünscht – wie wir heute!

00:13:46: Gesundheit, Glück, Liebe, ein gutes Leben für die Familie.

00:13:50: Denn so sehr sich unsere Welt auch verändert hat sind die Wünsche der Menschen zumindest im Großen doch in vielem erstaunlich… Ähnlich geblieben.

00:14:09: Ja, und damit endet unsere kleine Reise zu den Sternen!

00:14:13: Vielleicht schauen Sie heute Abend einfach etwas länger nach oben und vielleicht entdecken sie dabei wie schön der Himmel über unserem Nassauer Land sein kann – und wenn dann eine Sternschnuppe vorbeizieht?

00:14:24: Dann machen Sie ruhig das was Menschen seit Generationen und seit Jahrhunderten tun, wünschen sie sich etwas.

00:14:31: In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Restsonntag.

00:14:36: Bleiben Sie gesund und machen sie es gut.

Über diesen Podcast

HÖRlokal soll mehr sein als ein Podcast. Es soll Erinnerungen beleben, zum Lachen bringen, mit Musik beflügeln, Heimatgefühl schenken. Und ja, vielleicht auch die Menschen wieder etwas näher zueinander bringen. Dort, wo in den letzten Monaten Distanz entstand, dort wo die Entfernung zu weit und die Einsamkeit zu groß geworden ist. Wir wollen das Nassauer Land mit seinen wunderbaren Menschen nicht nur erlebbar, sondern auch hörbar machen.

Ideengeberin des Projektes „HÖRlokal“ ist Andrea Mathy, Projektleiterin ist Jennifer Ingmann. Träger unseres Projektes ist der Sozialkompass Nassau e.V.. Dank der großartigen Unterstützung der G. u. I. Leifheit Stiftung ist unser Projekt für eine einjährige Pilotphase gesichert.

von und mit Jennifer Ingmann und Andrea Mathy

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