HÖRlokal - Unterhaltung aus dem Nassauer Land

HÖRlokal - Unterhaltung aus dem Nassauer Land

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00:00:02: Hier ist ihr buntes Hörlokal, da

00:00:06: hören sie

00:00:06: ganz und gar lokal.

00:00:10: Ihr Platz im schönen Hörhör-Hörlokaal.

00:00:17: Herzlich willkommen zum Podcast Hörlokal Unterhaltung aus dem Nassauerland!

00:00:23: Mehr Gemeinden eine gemeinsame Zukunft.

00:00:26: In dieser Folge schauen wir hinter die Kulissen der neuen Gesamtkirchengemeinde Landtaunus.

00:00:31: Was bedeutet es, wenn mehrere Gemeinden zusammenwachsen?

00:00:34: Welche Chancen entstehen und wo liegen vielleicht auch Herausforderungen?

00:00:37: Darüber spreche ich heute mit Heidi Jung und Marysoufi Magnusson.

00:00:42: Viel Spaß!

00:00:51: Die Gesamt-Kirchen-Gemeinde Landttaunos hat sich am ersten Januar, im Jahr muss es umsetzen.

00:00:58: Das bedeutet einige Veränderung in kirchlichen Leben oder etwa nicht?

00:01:03: Das wollen wir heute klären mit Heidi Jung, Vorsitzende des Gesamtkirchenvorstandes Landhaunus und Pfarrerin Marie-Sophie Magnusson.

00:01:10: Eine von den sechs Fahrpersonen im Nachbarschaftsraum.

00:01:13: Erst mal herzlich willkommen!

00:01:15: Schön dass Sie da sind.

00:01:16: Herzlichen Dank für die Einladung.

00:01:18: Ja, von mir auch.

00:01:20: Was bedeutet denn eigentlich der Begriff Gesamt kirchengemeinde in

00:01:24: einfachen Worten?

00:01:29: Ich würde sagen die Gesamtkirchengemeinde, das bedeutet dass ja die einzelnen Gemeinden, die da sich zusammengetan haben noch so ein Stück weit ihre eigene Identität behalten haben.

00:01:38: Wir sind nicht zu einer Kirchengemeinder zusammen fusioniert sondern wir organisieren uns eigentlich gemeinsam und arbeiten auf manchen Ebenen zusammenbehalten aber auch natürlich noch die Identitäten als Gemeinden vor Ort.

00:01:52: Der Begriff Laantownus deutet ja schon an, wie groß auch die Fläche ist.

00:01:56: Wer gehört denn überhaupt dazu?

00:01:58: Also welche Kirchengemeinden gehören zu dieser Gesamtkirchengemeinde?

00:02:01: Ja ich fange mal mit der an, die wahrscheinlich am weitesten entfernt ist hier von Nassau.

00:02:06: das ist Kördorf dann Dachsenhausen also das sind immer die ehemaligen kirchengemeinten mit Niederbachheim zusammen.

00:02:15: Dann ist Singhofen in unserer in unserer Gesamtkirchengemeinde, Hürnberg-Zimmelschied.

00:02:22: Die Kirchengemeinden Obernhof und die Kirchengemeinde Dausenau.

00:02:26: Und natürlich die Stadt Nassau also die ehemalige Kirchen Gemeinde oder die ehemeilige Kirchengemeinde ist es ja gar nicht.

00:02:32: das ist heute noch Kirchen gemeinde NassAU.

00:02:36: Wie wurde denn?

00:02:37: Oha!

00:02:38: Ich habe ja eine Gruppe ich hab ja die Emma aus Gemeindeschweighausen vergessen.

00:02:43: Da gehören auch ganz viele Ortsgemeinden

00:02:46: dazu.

00:02:47: vielen Kirchen.

00:02:50: Wie wurde denn überhaupt beschlossen, wer wie zusammengelegt wird?

00:02:54: Also konnten sie da auch mitentscheiden.

00:02:57: oder wie hat dieser Prozess überhaupt funktioniert?

00:03:00: Ja wir konnten mit entscheiden.

00:03:01: Wir sind als kirchengemeinden über die Synode gefragt worden.

00:03:05: also die Synod ist eine Organisation des Dekanates Nassauer Land und wir gehören ja zum Dekanaat Nassauerland.

00:03:15: Und in der Synode wurde letztlich beschlossen, wie einzelne Kirchengemeinden später zusammenarbeiten.

00:03:25: Ob sie in einem Nachbarschaftsraum zusammenarbeiten zum Beispiel als Arbeitsgemeinschaft oder als Gesamtkirchengemeinde wie wir oder sogar fusionieren.

00:03:35: aber es wurden alle kirchengemeinten gehört und es gab auch mehrere Treffen wo das Thema erarbeitet wurde.

00:03:45: Man hat schon überlegt, wie schließt man sich zusammen?

00:03:49: Wer hat vorher schon mit jemanden zusammengearbeitet?

00:03:55: Wer kennt sich überhaupt noch nicht?

00:03:58: Wie geht man davor?

00:03:59: Und es war schon ein längerer Prozess.

00:04:02: Jetzt haben Sie gerade angesprochen, ist es keine Fusion, die hier stattgefunden hat?

00:04:06: Was ist denn der Unterschied jetzt zu der Gesamtkirchengemeinde im Vergleich?

00:04:12: Fusionierung.

00:04:13: Also die Idee bei der Gesamtkirchengemeinde ist, dass man bei allen, ich sage jetzt mal organisatorischen Rahmenbedingungen zusammenarbeitet also das nicht mehr jede kleine Ortsgemein, die in eigenen Haushalt führt zum Beispiel sondern es einen gemeinsamen Haushalt gibt wo dann eben ja immer auch ehrenamtliche Transitzen um diesen Haushalt zu pflegen und den Überblick zu behalten beim Personal, also die Arbeitsverträge, die laufen zusammen.

00:04:40: Sodass man auf all diesen organisatorischen To-do-Listen auch zusammenarbeitet und sich da ein bisschen zu verschlanken, das nicht so... Also sich der Arbeit zu erleichtern eigentlich.

00:04:53: Und trotzdem noch als Kirchengemeinden vor Ort dort das gemeine Leben vor Ort weiterzuführen.

00:05:00: Jetzt mal für Nasser gesprochen, Himmelfahrtsgottesdienst zu organisieren vor Ort.

00:05:04: Also als Gemeinde oder eben Dausendau werden vorhin in Vorgesprächen gesprochen über Seniorenveranstaltung dass dieses Leben vor Ort noch weiter ja auch von Menschen vor Ort gestaltet wird aber die Gesamtkirchengemeinde eben organisatorische Rahmenbedingungen zusammen erledigt sozusagen dann braucht man weniger Menschen dafür und Die sind ein knappes Gut heutzutage, ehrenamtliche.

00:05:32: Und Fusion hätte auch rechtliche Konsequenzen.

00:05:36: Das darf man nicht vergessen.

00:05:38: Also die Kirchengemeinden sind nach wie vor noch öffentlich-rechtliche Einrichtungen und bei der Fusion gäbe es nur noch eine einzelne Kirchengemeinde.

00:05:50: Das ist eigentlich der maßgebliche Unterschied, die rechtliche Bewertung Ob ich jetzt nachher eine Kirchengemeinde bin oder ob ich eine Gesamtkirchengemeinde bin mit vielen kleinen Kirchen Gemeinden, die noch rechtlich selbstständig sind.

00:06:07: War das ein notwendiger Schritt und wenn ja warum?

00:06:14: Ja so ganz freiwillig haben wir den Prozess nicht durchlaufen ist glaube ich einfach auch ein Teil der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

00:06:23: Nicht nur hier vor Ort, sondern nicht nur in Deutschland, sondern einfach – ich sage es mal – in der westlichen Gesellschaft wo die Kirchenmitgliedszahlen kleiner werden und weniger Ressourcen zur Verfügung stehen Und vor allem weniger Menschen zur Verfügung stehen.

00:06:40: Das ist einfach so, das kriege ich auch mit dem Gespräch mit Vereinen oder auf anderen Ebenen.

00:06:45: Es fehlen uns oft Menschen und eben auch in der Kirche also Ehrenamtliche die... bereit sind, einen Bauausschuss mitzumachen oder eben einem Kirchenvorstand tätig zu sein.

00:06:58: Fahrpersonen fehlen uns also Menschen die in der Verkündigung tätig sind Seelsorgerinnen und Seelsorgern um da zu überlegen okay wie machen wir das jetzt?

00:07:07: Wir werden weniger.

00:07:08: Wie können wir trotzdem in der weiten Fläche noch präsent sein?

00:07:15: Als Beispiel, wenn ich jetzt Pfarrerin von Nassau bleiben würde und nur in Nassao zuständig wäre.

00:07:21: Und die Nachbargemeinde verliert ihre Fahrpersonen dann hätte ... Dann würde halt in der Nachbargemeinde kein verabendliches Angebot mehr stattfinden so.

00:07:31: Das versucht man eben jetzt ein bisschen sich zu überlegen wie machen wir das als Kirche noch in der Fläche Präsenz zu sein mit weniger Leuten?

00:07:42: Der Grund des Ganzen und da kann man sich verschiedene Lösungswege ausdenken.

00:07:46: Dieser ist jetzt der, den die EKN vorschlägt.

00:07:50: Fähreweise muss man natürlich auch dazu sagen wenn weniger Kirchenmitglieder da sind gibt es natürlich auch weniger Kirchensteuer.

00:08:00: Also kann Kirche auch weniger Geld verteilen, denn Kirche sitzt ja nicht auf dem Geld was mit Kirchen Steuern eingenommen wird sondern Kirche zahlt ja damit auch einiges unterstützt und Kindergärten und andere diakonische Einrichtungen.

00:08:15: und wenn das Geld nicht mehr da ist dann muss alles irgendwie gestraft werden.

00:08:23: Du hast das eben schon angesprochen, dass das bedeutet, dass beispielsweise organisatorische Dinge zusammengefasst werden.

00:08:29: An einer Stelle jetzt erledigt werden?

00:08:32: Hast dann aber auch gesagt es gibt beispielsweise einen Verkündigungsteam paar Personen die für die gesamte Kirchengemeinde jetzt eingesetzt werden können.

00:08:40: Was gibt es noch für Neuerungen?

00:08:41: also was bedeutet das konkret Jetzt für Das kirchenmitglied in dausender oder in kördorf?

00:08:48: welche veränderung sind spürbar Oder sind vielleicht auch gar keine spürba?

00:08:54: Ich fange mal mit den negativen Anrunden ganz

00:08:56: zu dem Positiv.

00:08:58: Also Heidi hat es vorhin ja angesprochen, es geht auch teilweise natürlich um finanzielle Ressourcen die eingespart werden müssen und das merken wir als Kirchengemeinden besonders an den Gebäuden also in dieser Gesamtkirchengemeinde wird eben auch überlegt was finden für Angebote statt wo?

00:09:14: Und welche sind wirklich wichtig und brauchen Räume?

00:09:20: Ja, müssen wir auf Räume vielleicht auch verzichten oder auf Gebäude eben in dem Fall.

00:09:24: Also das Nassauere Gemeindehaus müssen wir gerade überlegen wie wir da weiter mit umgehen, wie es zu halten ist und nicht.

00:09:34: Da merken wir jetzt besonders die Veränderung dass wir gemeinsam überlegen müssen auf Gebräudeebene können wir da Ressourcen einsparen.

00:09:44: Positiv kann man vielleicht bemerken Die Kirche gerade gezwungen ist zur Veränderung und das kann auch von Vorteil sein.

00:09:52: Also die Kirche, die ich vor ein paar Jahren noch erlebt habe, ist nicht die Kirchen, die heute erlebe wo auch ganz viele tolle neue Angebote entstanden sind weil es dafür eben auch Freiheiten gibt oder Menschen zusammenkommen.

00:10:05: also Heidi und ich zum Beispiel wir sind aus verschiedenen Gemeinden würden wahrscheinlich kaum zusammenarbeiten, gäbe es jetzt diese Prozesse nicht.

00:10:14: Und so sind schon mal zwei Leute zusammengekommen die ihre Talente zusammenlegen und so passiert das natürlich auf verschiedenen Ebenen.

00:10:25: Ich war im Singenhof und war ich jetzt mal in der Atempause kennengelernt an Gebot wo Menschen aktiv sind und ein schönes Programm auf die Beine stellen also dass wir eben auch so ein bisschen die Idee rauszufinden Wo sind Menschen aktiv, wo haben sie ihre Schwerpunkte und wie kann man sich da auch schön zusammentun?

00:10:45: Und auch unterschiedliche Sachen als Kirchengemeinden machen aber die eben auch öffnen füreinander.

00:10:55: Synergieeffekte quasi erleben.

00:10:58: Noch mal zurück auf die Frage, was sich vielleicht für das Kirchenmitglied in einer der Kirchengemeinden verändert?

00:11:06: Bürokratische Prozesse zum Beispiel würde dann bedeuten ich gehe nicht mehr ins Pfarrhaus im Ort sondern ich fahre nach Nassau

00:11:16: oder ich rufe

00:11:17: an.

00:11:19: fairerweise muss man sagen dass der Besuch in den Büros, wo die Gemeindesekriterinnen arbeiten doch deutlich zurückgegangen ist und das nicht erst seit ersten Ersten sondern einfach mit der neuen Technik.

00:11:35: Heute hat ja nur wirklich jeder ein Telefon oder fast auch jede eine E-Mail Adresse und es läuft viel auf diesem Weg.

00:11:43: Was vielleicht schade ist für den Einzelnen, er hat jetzt nicht mehr den Pfarrer vor Ort.

00:11:49: Also im Moment ist das noch so weil wir sind mit sechs Fahrpersonen noch gut besetzt aber das wird sich im Laufe der Jahre ändern.

00:12:01: Wir werden auch die Fahrperson in unserer Gesamtkirchengemeinde reduzieren müssen nicht so sein, dass ein Facher entlassen wird.

00:12:11: Sondern das wird einfach durch Ausschaltung oder eben Facher geht in Funktion und dann wird die Stelle nicht mehr besetzt.

00:12:19: Das wird denke ich für Gemeindemitglieder da noch einmal doch einen Einschnitt.

00:12:28: Wenn man es jetzt positiv betrachten möchte, könnte man wohl sagen ja aber es gibt ja einen Verkündigungsteam.

00:12:34: Aktuell mit sieben Personen glaube ich besetzt.

00:12:37: Eine

00:12:37: gemeine Pädagogin ist noch dabei?

00:12:39: Genau!

00:12:40: Also eigentlich habe ich ja sogar noch mehr Ressourcen auf die ich zugreifen kann.

00:12:44: Kann man das so sehen?

00:12:45: Kann ich mir dann auch meinen Wunschfahrer, meine Wunschtfahrerin aussuchen?

00:12:49: Sag mal, ich gehe lieber eigentlich zu der Marie-Sophie...

00:12:54: Also ich möchte die Marie-Sophie jetzt

00:12:57: mal

00:12:57: unterstützen.

00:13:00: Ich glaube, wenn jetzt jemand kommt und zu Marie-sophie geht und sagt, ich möchte gern dass du mich besuchst und nicht der Kollege dann wird sie das mit sich

00:13:10: auch tun.

00:13:11: Das ist ein Vorteil.

00:13:15: Nicht jeder Pfarrer wird zu hundert Prozent in seiner Gemeinde oder insgesamt in der Gemeinde geliebt.

00:13:22: Das ist aber auch normal und man hat auch schon mal einen Bezug zu einer anderen Person, die intensiver ist und ich finde das eigentlich positiv.

00:13:32: Also ich hatte jetzt letzte Woche glaube ich gehabt dass ich mit einer Kollegin telefoniert habe und sie mit mir abgesprochen hat Gemeindemitglied aus Nassau gerade in der Kosoa hier betreut und ich umgekehrt.

00:13:47: Also da gibt es immer Leute, die dann zu bestimmten Personen einen bestimmten Bezug haben.

00:13:53: Wir versuchen es noch so ein bisschen, als gerade was Bestattungen angeht, noch so etwas in Orts bezogen zu organisieren.

00:14:01: aber eben in Einzelfällen und je nach Kontakt entscheiden wir auch manchmal anders.

00:14:08: Das finde ich gut.

00:14:11: Merken Sie oder merkst du, dass Menschen in den Kirchengemeinden vielleicht auch so ein bisschen Sorge haben?

00:14:17: Ihre überschaubare Kirche und ihre Kirchenidentität zu verlieren?

00:14:22: dadurch ist das Thema...

00:14:27: Also ich merke zum Beispiel, dass jetzt noch mal auf Gebäude zu kommen und Gott sei Dank betrifft die

00:14:34: die nicht

00:14:36: wie viele Leute in Bezug haben zu ihrer Kirche vor Ort, also zum Kirchengebäude.

00:14:40: Wie wichtig das ist?

00:14:41: Das merke ich jetzt, dass ich da manchmal ein bisschen anders denke weil ich vielleicht auch schon vielen Kirchen unterwegs war und selber... Ich bin an dem Ort konfirmiert worden wo ich zur Schule gegangen bin, es war nicht mein Wohnort.

00:14:54: Zum Beispiel, da spüre ich sehr wie emotional Menschen mit ihrem Kirchengebäude verbunden sind, indem sie vielleicht Haufen erlebt haben oder Hochzeiten.

00:15:08: Das spielt irgendwie schon eine größere Rolle.

00:15:12: Also man merkt das sehr dass Menschen gerne in ihrer Inanführungsstriche-Kirche konfirmiert werden wollen oder vielleicht auch heiraten wollen in der Kirche, in der sie getauft wurden.

00:15:24: Also das spürt man.

00:15:25: Da gibt es dann auch Anfragen können wir in ihrer Kirche uns taufen, also heiraten ohne dass wir jetzt Gemeindeklieder in Ihrer Gesamtkirchengemeinde sind.

00:15:40: Ich finde das schön wenn solche Anfragungen kommen weil's bindet irgendwie und Verbindung find ich schon

00:15:49: Und das ist dann auch möglich?

00:15:52: Ja.

00:15:55: Wie gehen Sie, wie geht ihr mit diesen Sorgen um?

00:15:58: Wird es an euch herangetragen dass in diesem Prozess jetzt einfach auch Sorgen entstanden sind Ängste, dass Kirche immer mehr sich zurückzieht Immer großflächiger wird, immer zentraler Dass es vielleicht nur der erste Schritt war und es vielleicht in fünf Jahren noch größere Fläche werden muss?

00:16:17: Also bei mir kommen Töne an, die gehen in die Richtung ja.

00:16:24: Wenn wir nicht mehr jeden Sonntag Gottesdienst haben, wo gehe ich denn eigentlich in den Gottesdiensten?

00:16:29: Fahre ich jetzt – also bin aus der Dausendauer Gemeinde – fahre Ich jetzt von Dausenau irgendwo anders hin in den Gottesdienst?

00:16:35: Nee, mache ich nicht!

00:16:37: Und wenn hier kein Gottesdiens ist dann gehe ich nicht.

00:16:41: Also das sind Stimmungen, die nämlich wahr.

00:16:48: Ich finde es auch so in Gesprächen manchmal gar nicht so einfach darauf zu reagieren, weil ich verstehe das einerseits.

00:16:55: Diese Verlusterfahrung, die ich ja auch mitteilte – ich meine, ich habe ein sehr langes Studium hinter mir -, um für eine Kirche zu arbeiten, die gerade stark in der Veränderung ist.

00:17:06: Also ich teile das auch, dass man gerade so Angst hat um seine Identität und um die Kirche sozusagen... Deswegen kann ich das manchmal in Gesprächen dem gar nicht viel Wind nehmen sozusagen, außer es mir anzuhören und vielleicht auch zu bestätigen dass es vielleicht auch hier und da besorgniserregend ist.

00:17:26: Und dann wiederum gibt's Momente die man einfach erleben muss mit Kirche.

00:17:33: also wir hatten... Ich fand zum Beispiel unseren Gründungsgottesdienst einfach schön.

00:17:39: Da waren dann Menschen aus den verschiedenen Gemeinden da und haben ihre Gemeinden mal vorgestellt, was sie so ausmacht mit Symbolen.

00:17:46: Und die Posaungehörer haben sich zusammengetan und gemeinsam den kompletten Altarraum gefüllt und da Musik gemacht.

00:17:55: und einfach das zu erleben war zum Beispiel für mich wieder ein Moment wo ich dachte ja dass ist auch schön was da jetzt entsteht und wir müssen gar nicht so viel Angst

00:18:03: haben

00:18:04: Und ein älterer Kollege hat da auch zu mir... Also es ist mein erster Transformationsprozess in der Kirche, den ich erlebe.

00:18:11: Und ein Ältere Kollege hat neulich gesagt naja das ist jetzt der vierte Veränderungsprozess und mit Fusionen und sonstige Ideen hiermit gemacht und die Kirche wird jetzt auch nicht untergehen.

00:18:22: natürlich ist das nicht cool dass wir immer weniger werden und so muss man glaube ich auch sehen.

00:18:28: aber Erlebe immer wieder Momente, wo ich denke, da müssen wir nicht viel Angst haben.

00:21:01: Gab es bei Ihnen auch Zweifel?

00:21:04: Frau Jung, in diesem Prozess?

00:21:06: Nein.

00:21:07: Ich habe die Zweifel überhaupt nicht aufkommen lassen weil ich gemerkt habe dass es so nicht weitergeht.

00:21:16: also ich kann jetzt viel von Dausenau erzählen.

00:21:19: wir hatten ein viel zu großes Gemeindehaus und wir haben uns entschlossen in Dausenaud dieses Gebäude zu verkaufen bevor jetzt wir in diesen Prozess eingestiegen sind.

00:21:35: Wir hatten nicht mehr die Kraft, das Gebäude zu unterhalten.

00:21:38: Also einmal finanziell nicht mehr und auf der anderen Seite wollten wir uns auch diese Gedanken nicht mehr machen.

00:21:44: was machen wir mit dem gebäude?

00:21:46: wie nutzen wir es?

00:21:47: was müssen wir jetzt als nächstes renovieren wenn wir das gefühl haben wir brauchen sie eigentlich gar nicht?

00:21:53: Und das war am Anfang ein bisschen komisch.

00:21:56: aber wir hatten dann das glücken konnten kleineren raum anmieten Der auch wesentlich einfacher zu begehen ist.

00:22:04: Also er ist nicht behindertengerecht, aber Behindertengerecht her wenn ich das so sagen darf und das wird jetzt unheimlich positive aufgenommen.

00:22:14: Und ja und ich könnte mir vorstellen dass so ein Effekt vielleicht auch hier in Nassau entstehen kann weil das Haus Beilstein groß das ist und so toll man das putzen kann.

00:22:26: Ich merke, dass sie ja mit den großen Räumlichkeiten und alles.

00:22:30: aber wenn man vielleicht eine Räumnlichkeit findet die bequemer ist zum erreichen und vielleicht auch für behinderte Menschen bequemmer ist, dass das dann auch noch mal ein schöner positiver Effekt werden könnte.

00:22:44: Könnte ich mir auch vorstellen?

00:22:48: Glaubst du glauben Sie, dass die Zukunft der Kirche dass das vielleicht auch so weitergehen wird?

00:22:56: oder ist da irgendwo vielleicht auch noch der Gedanke, dass es wieder anders werden kann.

00:23:01: Wieder kleinteiliger werden

00:23:03: kann?

00:23:06: Ich glaube, es kommt wirklich sehr darauf an was vor Ort passiert.

00:23:10: also ich glaube die Gesamtkirchengemeinde eben diese Formaya gut regeln kann und so weiter.

00:23:19: aber ... an gemeindeleben vor Ort ist, dass das steht und fällt tatsächlich auch mit den Menschen vor Ort.

00:23:25: Also da wo es welche gibt die engagiert sind... ...und ein kleines Angebot wichtig finden und anbieten... Da wird was sein und entstehen... Und an anderen Stellen vielleicht auch nicht.

00:23:38: Vielleicht würden wir uns an diesen Stellen dann aber auch merken, was fehlt und vielleicht nach einer Weide wieder irgendwie auf Ideen kommen.

00:23:47: Also wie die Zukunft aussieht, das liegt wirklich an den Leuten vor Ort und tatsächlich nicht in den zentralen Stellen.

00:23:55: Die nächste Frage, die zahlt er sicherlich auch wieder darauf ein auf diese Frage von eben aber wie muss Kirche sich denn verändern damit sie für Menschen wieder relevanter wird?

00:24:04: Damit vielleicht auch jemand der aus der Kirche ausgetreten ist sagt ich trete wieder ein Ich möchte mich selbst engagieren oder beteiligen.

00:24:15: also meine Einstellung ist so wenn.

00:24:18: Also ich höre gerne Menschen zu und ich hoffe, dass das etwas sein wird was mich in der Zeit jetzt weiterbringt.

00:24:26: Also einfach dieses Mal zuhören was ist eigentlich los in der Gesellschaft oder was bewegt Menschen vor Ort?

00:24:33: Und da irgendwie eine Offenheit für zu haben und dadurch auch ein Gespür zu entwickeln für das was gebraucht wird oder auch festzustellen.

00:24:42: Manche Sachen muss ich auch gar nicht immer alleine oder müssen wir gar nicht alleine als Kirche machen, sondern da gibt es Menschen die ein Interesse haben und schon irgendwie auf Ideen kommen.

00:24:52: Und da vielleicht auch manchmal sich zusammen zu tun oder einen Raum für zu bieten...

00:25:00: Also das denke ich auch dass wir Räume bieten, dass andere Menschen sich einbringen ob sie jetzt Kirchenmitglied sind Es ist mir erstmal egal.

00:25:11: Ich sage mal, wenn die sich im Sinne der christlichen Grundhaltung einbringen dann finde ich muss Kirche einen Raum bieten und er sollte auch da sein.

00:25:32: Du hast eben schon ein bisschen erzählt von dem Gründungsgottesdienst volle Kirche Wahrscheinlich ein schöner Gottesdienst, den ihr da gefeiert habt.

00:25:42: Wenn wir so ein bisschen in die Zukunft gucken was jetzt auch an vielleicht gemeinsamen Gottesdiensten oder Aktionen geplant ist, kannst du uns dann ein bisschen mitnehmen?

00:25:52: Ich habe jetzt dem Begriff Sommer-Gottesdienste zum Beispiel im Ohr.

00:25:57: Das ist ja glaube ich auch relativ neu

00:26:00: Genau, die Sommerreihe.

00:26:02: Also wir haben in vergangenen Jahren hatten die Gemeinden Nassau und Emmaus so was schon mal gemacht dass wir an verschiedenen Orten dann unsere Gottesdienste gemacht haben.

00:26:12: das haben wir jetzt im Nachbarschaftsraum eben auch vor.

00:26:15: da ist eben auch die Idee.

00:26:17: also es war früher so in den Sommerferien war eigentlich die Kirche so gut wie leer.

00:26:21: also in Sommerferieren haben irgendwie die meisten Menschen andere Orte aufgesucht sonntagsmorgen zu.

00:26:28: Und bei den Sommergottesdiensten habe ich dann eben einfach erlebt, es gibt dann immer nur einen Gottesdienst pro Sonntag in einem Ort und alle anderen werden dorthin eingeladen.

00:26:40: Und das bedeutet dass auch jede Gemeinde eigentlich dann auch nur einmal an diesem Sonntags... die Organisation übernimmt.

00:26:47: Wir machen die meistens unter freiem Himmel und dann braucht man Menschen, die da Bänke hinschleppen und ein Althar aufbauen und im besten Fall noch Musiker, die irgendwas Schönes machen.

00:26:56: Also es ist auch ein gewisser Aufwand, den jede Gemeinde nur einmal hat.

00:27:00: Und meine Erfahrung ist das diese Gottesdienste sehr gut.

00:27:04: Besuchtwohnen in der Vergangenheit, also unter offenen Himmel.

00:27:07: Man muss sich keine Sorgen machen.

00:27:10: Das ist vielleicht Kinder rumlaufen und Geräusche machen.

00:27:12: Muss man eh nicht?

00:27:13: Aber manche Menschen haben da vielleicht manchmal Sorge.

00:27:15: Also es ist einfach sehr niederschwellig.

00:27:17: Menschen fühlen sich da irgendwie wohler vielleicht.

00:27:20: Ja, wir hatten einmal so ein Sommergottesdienst in Nassau gefeiert, hatten für fünfzig Leute Bänke aufgestellt und dachten ja gut die kriegen wir ja ähnlich voll.

00:27:29: Und wir mussten dann noch uns überlegen wo wir kurzfristig nach Stühle und Bänken Das haben wir jetzt eben auch vor, dass dann ein Gottesdienst in Nassau sein wird einer in Dhausenau und so weiter.

00:27:42: Dass wir alle Gemeinden einmal besucht haben quasi

00:27:48: Was würdest du?

00:27:50: Was würden sie Menschen gerne sagen die diesen Wandel kritisch sehen?

00:27:57: was wäre der erste Impuls?

00:28:02: Also ich würde einfach sagen, nehmen Sie die Angebote wahr, die es gibt.

00:28:06: Gehen sie hin!

00:28:07: Fahren Sie hin!

00:28:07: Waren Sie in den anderen Orten?

00:28:10: Gucken sich an was da angeboten wird.

00:28:13: Geh'n Sie in andere Gottesdienste nicht nur in Ihrem eigenen Ort und melden Sie sich bitte wenn irgendetwas nicht so ist wie Sie sich das vorstellen.

00:28:24: Ich meine es kann auch nur irgendwas angeboten werden wo man das Gefühl hat dass wird auch angenommen.

00:28:30: Wenn keiner kommt, dann wird man sich ja überlegen.

00:28:34: Ja, mach ich das Angebot noch mal?

00:28:38: Warum kommt keine... Also so eine Äußerung der Menschen finde ich ganz wichtig.

00:28:47: Das kann nicht bestätigen und auch es vielleicht ein bisschen so ... wenn man sich überlegt was hätte ich denn gerne, was Kirche anbietet sich auch mal die Frage zu stellen, was könnte ich vielleicht dann auch anbieten als Teil der Kirche?

00:29:03: Also gibt es ein Angebot, wo ich denke das wäre eigentlich schön wenn's das geben würde und wenn man vielleicht auch selber eine Person, die das gemeinsam mit einer Pfarrperson oder jemandem aus einem Gesamtkirchenvorstand ins Leben rufen könnte.

00:29:16: Sich die Frage auch mal zu stellen würde ich gerne mitgeben.

00:29:20: Also auf jeden Fall der Appell an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn sie dann Ideen und Impulse haben sich auch gerne an dich an Sie zu wenden und ja, zu schauen was daraus werden kann.

00:29:31: eine Frage zum Abschluss Warum lohnt es sich an Kirche festzuhalten?

00:29:36: Gerade jetzt?

00:29:39: Ich glaube weil die ganze Gesellschaft gerade Ja auch noch in anderen Umbrüchen drin steckt.

00:29:45: also das ist ja nicht nur Die kirche die gerade Transformation durchmacht.

00:29:51: Ja, denke unsere ganze Gesellschaft ist gerade in einem Umbruch der vor allem wie ich es erlebe unser Miteinander immer wieder infrage stellt.

00:30:03: Und da kann die Kirche eben auch eine Ressource sein miteinander zu stärken im Gespräche zu kommen Angebote zu schaffen wo Menschen sich nicht nur digital sondern wirklich vor Ort treffen und auf verschiedene Lebenslagen angesprochen werden von den Babys bis ins Ruhralter und bis zum Sterben natürlich.

00:30:24: Und darüber hinaus, das ist ein großer Schatz denn die Kirche da bietet.

00:30:30: Und ich denke in der Kirche gibt es Leute Menschen von Personen, die zuhören.

00:30:36: Ich glaube dass es in der heutigen Zeit auch ganz wichtig und mit denen man auch persönlich reden kann nicht nur am Telefon sondern auch wenn man sich anguckt

00:30:53: Also das seelsorgerliche Angebot.

00:30:54: Ich glaube, es haben gar nicht so viele Leute auf dem Schirm, dass man kostenfreien Ansprechpartner für seelsorgerliche Fragen hat auch für.

00:31:03: natürlich sind wir keine Therapeuten aber neben auch in der Gesellschaft wo dieser Bedarf eigentlich immer höher wird Therapieplätze immer geringer, das ersetzen wir auch nicht.

00:31:15: Aber es gibt ein kostenfreies Gesprächsangebot direkt vor Ort Rohrfragen, Lebenskrisen usw.

00:31:25: Vielen vielen Dank!

00:31:26: für das Gespräch.

00:31:27: Ich habe eine Sache, die haben wir eben nicht erwähnt.

00:31:31: Ich hab das neue Pfarrbüro erwähnte aber gar nicht wo es jetzt eigentlich ist.

00:31:34: ich finde das gehört noch rein in diesen Podcast damit auch jeder der sich jetzt fragt wo muss ich eigentlich hin oder wo rufe ich an weiß wo das jetzt ist.

00:31:43: vielleicht können Sie's gerade nochmal sagen Frau Jung?

00:31:45: Ja

00:31:45: das ist hier in Nassau im Neuzebach Weg zwei.

00:31:48: vielleicht sag ich einfach dass ist das ehemalige Marienkrankenhaus hier in als Gesamtkirchengemeinde-Räumlichkeiten für unsere Gemeindesekriterinnen angemietet.

00:32:02: Im Grunde ist das die Verwaltungseinheit, denn die Fahrpersonen sind zwar auch ab und zu da, sie müssen ja auch ein bisschen Verwaltungen machen aber die Fahrpersonen haben auch noch andere Räumlichkeit wenn es im Gespräch Bedarf gibt oder so.

00:32:16: also das ist unsere Verwältung

00:32:19: sehr gut

00:32:19: Vielen Dank.

00:32:20: Das wollte ich gerne noch mit aufnehmen, ansonsten danke ich ganz herzlich für dieses Gespräch.

00:32:25: Wünsche ganz viel Erfolg und vielleicht auch ein bisschen Kraft für all die neuen Aufgaben und noch einen ganz wunderbaren Sonntag!

00:32:32: Danke schön.

00:32:33: Ja das

00:32:35: war unsere Folge zur neuen Gesamtkirchengemeinde – Ein Blick auf Veränderung, Zusammenhalt und die Frage wie Kirche heute und morgen gelebt werden kann.

00:32:46: Wenn Ihnen diese Episode gefallen hat, dann teilen Sie sie doch gerne und sind Sie auch beim nächsten Mal wieder mit dabei.

00:32:53: Bis dahin bleiben Sie gesund und machen Sie es gut!

Über diesen Podcast

HÖRlokal soll mehr sein als ein Podcast. Es soll Erinnerungen beleben, zum Lachen bringen, mit Musik beflügeln, Heimatgefühl schenken. Und ja, vielleicht auch die Menschen wieder etwas näher zueinander bringen. Dort, wo in den letzten Monaten Distanz entstand, dort wo die Entfernung zu weit und die Einsamkeit zu groß geworden ist. Wir wollen das Nassauer Land mit seinen wunderbaren Menschen nicht nur erlebbar, sondern auch hörbar machen.

Ideengeberin des Projektes „HÖRlokal“ ist Andrea Mathy, Projektleiterin ist Jennifer Ingmann. Träger unseres Projektes ist der Sozialkompass Nassau e.V.. Dank der großartigen Unterstützung der G. u. I. Leifheit Stiftung ist unser Projekt für eine einjährige Pilotphase gesichert.

von und mit Jennifer Ingmann und Andrea Mathy

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