00:00:02: Hier ist ihr buntes Hörlokal, da hören sie ganz und gar lokal.
00:00:10: Ihr Platz im schönen Hörhör-Hörlokaal.
00:00:17: Herzlich Willkommen zum Podcast HörLokal.
00:00:20: Unterhaltung aus dem Nassauerland oder heute eher Unterhaltungen aus dem blauen Ländchen!
00:00:27: Denn da flüstern die Geschichten und Märchen und sagen noch ganz leise vor sich hin Man muss nur zuhören.
00:00:35: Heute begeben wir uns ins Müllbachtal!
00:00:39: Viel Spaß und damit herzlich willkommen an diesem Sonntag, liebe Zuhörerinnen und Zuhöre.
00:01:06: Manche Geschichten liegen in Büchern verborgen – ja aber auch in Landschaften Im blauen Ländchen zum Beispiel zwischen weiten Wiesen, alten Wäldern und ganz vielen Kleindörfern.
00:01:21: Da haben sich viele Märchen uns sagen ihren Platz bewahrt sind weitergegeben worden, weitererzählt wurden manchmal vielleicht etwas verändert aber nie vergessen.
00:01:32: in diesem Podcast lese ich Ihnen genau diese Geschichten vor und zwar aus dem Buch wo die Lorelei dem Larn Teufel winkt.
00:01:41: Ein ganz wunderbares Buch mit Märchen und Sagen aus dem Blauen Land.
00:01:46: Und diesmal, aus dem Müllbachtal.
00:01:49: Viel Spaß beim Zuhören!
00:01:59: Die Traumbotschaft Vor vielen Jahren war der Besitzer des Bubenborner Hofs bei Singhofen in Aage Not geraten Denn Miss Wuchs hatte die Ernte verhindert und Seuchen hatten seinen Viehbestand fast vernichtet.
00:02:18: Nur ein größerer Geldbetrag hätte ihn aus seiner Not retten können.
00:02:23: So aber befürchtete er den Hof zu verlieren und mit seiner Familie mittellos über Land ziehen zu müssen.
00:02:30: Da hatte er eines Nachts einen sonderbaren Traum.
00:02:34: Er stand vor einer dunklen Wand und vernahm eine Stimme, die laut rief Geh' zu Sachsenhäuser Brück Denn da findest du dein Glück.
00:02:43: Der Bauer wunderte sich beim Aufwachen sehr über diesen Traum, maß ihm jedoch keine weitere Bedeutung zu und begab sich missmutig in den Stall um die beiden letzten ihm verbliebenen Kühe zu versorgen.
00:02:56: Zu seinem Erstaunen träumte er aber auch in der folgenden Nacht dem gleichen Traum – und als dieser sich auch an der nächsten Nacht wiederholte, fasste er sich ein Herz und erzählte seiner Frau davon.
00:03:09: Was kann es schon schaden wenn du es versuchst?
00:03:11: sprach diese, denn sie wusste sehr wohl um die glückbringende Kraft der Träume.
00:03:16: Der Bauer machte sich also auf den Weg nach Frankfurt.
00:03:19: Nach langer Wanderung kam er dort an und alte Schnurrstraks zur Sachsenhäuser Brücke.
00:03:25: Wagen rumpelten über sie hinweg, Menschen bewegten sich darauf von einem Ufer des Mainz zum anderen doch nirgends entdeckte der Bauer etwas das ihm die Verheißung seines Traumes zu erfüllen schien.
00:03:37: So lief er einige Zeit ziellos von einem Ende der Brücke zum anderen und im Zickzack von einer Geländerseite zu gegenüberliegenden, bis sein seltsames Verhalten einem stämmigen Frankfurter auffiel, der sich ihm näherte – und ihn ansprach.
00:03:52: Eifreund!
00:03:53: sagte der Mann.
00:03:54: Ihr seht mir aus als suchet ihr etwas und könnt es nicht
00:03:57: finden.".
00:03:59: Da er ein freundliches Lächeln im Gesicht hatte, vertraute ihm der Bubenborner und erzählte ihm von seinem seltsamen Traum.
00:04:06: Da lachte der Fremde hell auf und meinte, ach Träume!
00:04:09: Träime sind Schäume mein Freund.
00:04:11: Vertrau nicht auf
00:04:12: sie.".
00:04:13: Und er neigte seinen Kopf dicht an das Bauernohr und raunte ihm zu, ich selbst hatte einst einen wunderlichen Traum.
00:04:20: Darin war ich auf einem Bauernhof.
00:04:22: der Bubenborner Hof hieß – dort grob' ich unter einem Holunderbusch im Hof hinter der Scheune einen wertvollen Schatz aus!
00:04:30: Aber sagt mir Freund, woher soll ich im Wachen wissen, wo dieser Bubenborner Hof liegt?
00:04:37: Damit klopfte er dem verblüfften Wanderer noch einmal kräftig auf die Schulter und verschwand in der
00:04:42: Menge.".
00:04:44: Unser Bauer jedoch eilte mit fliegenden Schritten nach Hause, wo er tief in der Nacht vollkommen erschöpft ankam und sofort in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf fiel ohne seiner Frau noch vom Ergebnis seines Ausflugs berichten zu können.
00:04:59: Doch gleich am nächsten Morgen begann er unter dem Rolunderbusch hinter der Scheune zu graben – und bald fand er in ein Sack gewickelt einen großen Goldklumpen, der ihn von seinen Sorgen ein für allemal befreite!
00:05:32: Die Geheimnisse von Hunzel.
00:05:35: Manche Orte sind voller Geheimnisse und wenn wir dort verweilen, können wir ihnen nachspüren.
00:05:41: Hunzel im Blaunländchen ist ein solcher Ort denn hier drohen sich schon in uralten Zeiten seltsame bis weilen Furchterregende Ereignisse zu, von denen ich euch hier erzählen will.
00:05:53: Schon als die Römer das blaue Land besetzt hielten geschahen wundersame Dinge.
00:05:58: Hunsel war damals ein römisches Kastell um welches hart gekämpft wurde.
00:06:03: Es gelang den Römern, den Angriffen der Germanen lange Zeit standzuhalten.
00:06:07: Doch irgendwann überrannten diese den Limes an mehreren Stellen, sodass die Römer beschlossen das Castellhunzel zu räumen.
00:06:15: Nun war aber gerade ihr Kaiser gestorben und so ergab sich die traurige Pflicht in Ehren voll zu bestatten – und zwar so dass sein Leichnam nicht in die Hände der Feinde fallen und geschändert werden konnte!
00:06:27: Ein Grabmal zu seinem Andenken kam also nicht infrage, dennoch verlangte die Würde seines Amtes ein prunkvolles Kaiserkrab.
00:06:35: Mehrere Tage suchten die Römer nach einer Lösung bis ein findiger Mann den rettenden Einfall hatte.
00:06:42: Er ließ einen goldenen Sarg herbeischaffen in welchen man den toten Kaiser bettete.
00:06:47: Den Sarg selbst verschlossen sie in einem silbernen Sarg und diesen wiederum in einem aus Eisen.
00:06:54: Dann suchten sie nach einer geeigneten Stelle für das Grab.
00:06:57: Gleich neben dem kleinen Bach im Tal hoben sie eine tiefe Grube aus, versenkten den dreifahren Sack darin, schaufelten sie zu und leiteten das Bechlein um so dass es fortan darüber floss.
00:07:10: Seither ruht der römische Kaiser in der Erde des Blauen Landes.
00:07:14: Das Tal durch welches der Bach fließt nennt man bis heute den Goldgraben.
00:07:20: Die Römer zogen ab – das Leben ging weiter.
00:07:23: Der Limes zerfiel mit der Zeit, der Grenzkraben wuchs zu und die Erinnerung an die Besatzer verblasste.
00:07:30: Die Bewohner von Hunzel nutzten den ehemaligen Grenzkraben als Weg auf dem sie bequem und sicher gehen konnten.
00:07:38: Eines Abends kehrte ein Wanderer auf diesem Weg von einem Besuch bei Verwandten nach Hunzel zurück.
00:07:43: Der Vollmond schien vom dunklen Himmel und beleuchtete dem Pfad – es war so hell dass die Sträucher schattenwarven!
00:07:51: Plötzlich sprang aus dem Gebüsch ein entsetzliches Wesen.
00:07:54: Es war eine Riese von menschlicher Gestalt, auf dessen Hals einen mächtiger Stierkopf saß.
00:08:00: Die Augen des Ungeheuers waren groß wie die Räder eines Pfluges und funkelten Schwefelgelb als es sich lautbrüllend dem Wanderer in den Weg stellte und über seinem Stirschädel eine schwere eiserne Kette schwang Ein Mukhalb, dachte der Hunzler, machte zu Tode erschrocken kehrt und rannte so schnell er konnte davon.
00:08:21: Doch das Zwitterwesen verfolgte ihn.
00:08:24: Keuchend!
00:08:25: Fast außer Atem hetzt unser Mann den Grenzkraben entlang – da sprang das Mukhalbbin von hinten an, packte ihn an der Kähle und hielt sich daran fest, dass es ihn
00:08:35: wirkte.".
00:08:36: Weiter lief der Mann, doch sein Streuben half ihm nichts.
00:08:39: Immer schwerer wurde die Last auf seinem Rücken!
00:08:42: Er wankte, wurde langsamer und brach schließlich erschöpft zusammen.
00:08:47: Das Mughalb presste die riesigen Pranken um seinen Hals bis er bewegungslos da lag – und keinen Mux mehr von sich gab.
00:08:55: Da erst ließ es von ihm ab und verschwand.
00:08:59: Wie durch ein Wunder kam der Wanderer in der Morgendämmerung wieder zu sich und schleppte sich auf allen Vieren nach Hunzel.
00:09:07: Dort machte die Kunde von dem Mokalp schnell die Runde und von da an bewegten sich die Menschen nur noch mit größter Vorsicht auf den Grenzkrabenweg.
00:09:16: Das Mokalf jedoch erwischte immer wieder einen von ihnen, und oft wirkte es sein Opfer zu Tode oder drehte ihm gar den Hals um.
00:09:24: Selten hatte einer Glück wie der Wanderer mit dem Leben davonzukommen und wenn dann erkrankte er als Folge des Schreckens, den er ausgestanden hatte oder bekam über Nacht graue Haare.
00:09:36: So trieb das Mughalp einige Jahre sein Unwesen, bis es so plötzlich wie es aufgetaucht war aus der Gegend verschwand.
00:09:44: Manchem ist aber heute noch unheimlich wenn er nachts zum Grenzkraben kommt.
00:09:50: Auch dass Hunzela Horn von schwarzen Tannen gesäumt isst säulich ein finstere Ort.
00:09:55: Schon immer fürchteten sich ängstliche Gemüter wenn sie abends dort entlang gingen und einmal sind einem Bauern auf dem Heimweg von Singhofen sogar Gespenster erschienen.
00:10:05: Kaum war er von der Landstraße in den dunklen Waldweg abgebogen, da klopfte sein Herz in schlimmer Vorahnung.
00:10:12: So leise wie möglich eilte der Bauer den unheimlichen Pfad entlang als er plötzlich mitten auf dem Weg ein Feuer brennen sah um welches zwei weiße Gestalten tanzen.
00:10:23: Der Bauer blieb bei diesem Anblick wie angewurzelt stehen, fasste sich aber schnell und rannte nach Singenhofen zurück.
00:10:31: Er stürzte ins Gasthaus und erzählte von seinem Erlebnis.
00:10:35: Die Gäste erschragen genauso wie der Bauer, doch einige fanden den Mut ihn zu dem unheimlichen Ort zu begleiten.
00:10:42: Als sie jedoch dort ankam war der Spuk verschwunden.
00:10:45: nicht die Spur eines Feuers war mehr zu sehen keine Asche keine Glut.
00:10:49: Die Männer suchten noch eine Weile mit Fackeln in Wald ab, fanden aber nichts.
00:10:54: Der Gespenster-Tanz wiederholte sich nie wieder Aber der Ort ist unheimlich geblieben.
00:11:01: Unheimlich ist auch der Weg durch die Hol und vor allem nachts nehmen die Leute lieber einen Umweg in Kauf als durch die Hohl zu gehen.
00:11:08: Lässt sich der Weg jedoch nicht vermeiden, dann huschen die Menschen schnell an dem großen Stein am Wegrand vorbei – denn er erinnert an eine unglückliche Liebe, die schrecklich endete!
00:11:20: Eine Bauerntochter aus Hunzel hatte sie nämlich in einem jungen Mann aus dem Nachbardorf verliebt.
00:11:26: Als der bei ihren Eltern um ihre Hand anhielt, verboten diese die Heirat.
00:11:30: Denn er war ihnen zuarm.
00:11:32: Sie hatten einen Breutigam im Sinn, der wohlhabend war und dessen Ecker an die ihres eigenen Hofes grenzten, sodass sich ihr Besitz vergrößern
00:11:39: würde.".
00:11:40: Mit Tränen in den Augen verabschiedete sich der Verschmähte an der Haustür doch verabredeten sich die liebenden heimlich für den Abend zu einem letzten Treffen am Hohlweg.
00:11:51: Dort angekommen fielen sie sich schluchzend in die Arme, hielten einander fest umschlungen und sahen keinen anderen Ausweg aus ihrem Herzeleid als gemeinsam in den Tod zu gehen.
00:12:02: Sie küsten sich zum Abschied – dann zog der Geliebte das Messer und erstarrt das Mädchen.
00:12:08: Er bettete die Sterbende ins Moos, legte sich daneben, ergriff ihre Hand und erdolchte sich selbst.
00:12:15: So starben sie Hand in Hand.
00:12:17: Und als die Hunzler sie fanden, waren sie so gerührt dass sie an ihrer Sterbestelle ein Steinkreuz errichteten.
00:12:24: Heute ist davon nur noch der Sockel zu sehen.
00:12:27: Die Namen der Liebenden und Jahreszahl sind verwittert doch ihre Geschichte lebt in Erinnerung der Menschen fort.
00:12:38: Ja das wünsche ich auch Ihnen und mir selbst, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.
00:12:44: Dass ihnen die Geschichten, die Sagen- und Märchen aus dem Blauen Land in Erinnerung bleiben und sie gerne auch in der dritten Ausgabe unserer Sagen und Märchens wieder mit dabei sind.
00:12:55: Dann gehen wir an den Rhein!
00:12:58: Bis dahin – Bleiben Sie gesund und machen Sie es gut!